Rede zur Eröffnung der 118. Halbjahresausstellung im Rathaussaal der Stadt Straubing

Rede zur Eröffnung der Winterausstellung

Meine sehr geehrte Damen und Herren, liebe Gäste dieser Eröffnungsveranstaltung, haben Sie ein neues Handy, ein I-Pad oder einen neuen digitalen Wecker geschenkt bekommen, das oder den Sie einstellen dürfen. Diese technischen Geschenke verlangen einem Neuorientierungen ab, die manche von uns alleine gar nicht so einfach bewerkstelligen kann. Da merkt man, dass sich die Welt stetig wandelt!

 

Veränderungen treten aber bei den Menschen, in ihrem Denken und in ihrem Seelenwesen ebenso ein. Bildnerische Mittel können diese auch zum Ausdruck bringen, ja es ist sogar deren Aufgabe. Die österreichische Schriftstellerin Maxie Wander schrieb in ihrer Protokollliteratur „Guten Morgen, du Schöne“ folgende Weisheit: „Man muss lernen, die kleinen Veränderungen beim andern wahrzunehmen, und sich vor allem selber ändern.“ Die Veränderung, sehr geehrte Gäste, gehört zum Leben, ist absolut  unvermeidlich und das ist auch gut so. Ohne Veränderungen würden wir nur auf der Stelle treten. Ein chinesisches Sprichwort sagt „Fürchte dich nicht vor dem langsamen Vorwärtsgehen, fürchte dich nur vor dem Stehenbleiben.“

Eigentlich passieren menschliche Veränderungen oft ohne großes Aufsehenerregen. Immerzu verändert sich irgendetwas. Auch wir uns selbst, indem wir älter werden, uns weiterentwickeln, dazu lernen und Neues erleben. Es verändern sich die Menschen um uns herum, manche gehen, neue Menschen kommen in unser Leben. So ist es auch in der GBK. Neue Mitglieder sind eingetreten, gewohnte Bilder bleiben aus, neue Bildschöpfungen machen Sie, sehr geehrte Besucher, aufmerksam. Gewohnte Techniken werden durch neue Möglichkeiten ersetzt. Veränderungen werden Sie auch in dieser Ausstellung verspüren. Es sind heuer mehr Objekte als sonst zu sehen. Auch die Fotografie ebnet sich immer mehr als künstlerisches Ausdrucksmittel den Weg in die Kunstausstellung. Eine besondere Freude ist es auch, dass einige junge Künstlerinnen und Künstler, wie z.B. die beiden Kulturförderpreisträger Madeleine Scholler und Max Schmidtlein oder Pablo Koschant wie weitere Gäste den Weg in die Ausstellung gefunden haben.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,
die  Aufgabe von kreativen Menschen ist es, anders zu sehen, neu zu denken, etwas neu zu schöpfen, etwas zu erfinden, etwas zu erzeugen und herzustellen. Und zu diesen Menschen zählen sich auch die Künstler, die Maler, Grafiker, Bildhauer und Fotografen. Das Kreativ sein beinhaltet natürlich damit die Veränderung, das heißt auch das Brechen mit alten Vorstellungen und Normen verbunden mit der dazugehörigen Unsicherheit des Unbekannten, Unbewiesenen oder Spekulativen. Dies bedeutet gleichzeitig, dass zeitgenössische Kunst immer wieder einen schweren Stand hatte und hat und bis heute in vielen Gesellschaftsbereichen um Anerkennung ringen muss.

Außergewöhnliche Kreativität im Allgemeinen lässt sich von der alltäglichen durch ihre besondere Bedeutung auch für andere Menschen abgrenzen. In der Kunst ist dies nicht immer zu beweisen, ob die Kreativität auch für andere Menschen  etwas bringt. Meist spielt sich diese schöpferische Aktivität ohne großes Spektakel und ohne große Bedeutsamkeit für die Veränderungen in der Welt ab – im Gegensatz zu den technischen Erfindungen, die die Welt wirklich sicht- und spürbar verändern. Deshalb finde ich den Satz von Maxie Wander für die Einzelperson so bemerkenswert. „Man muss lernen, die kleinen Veränderungen beim andern wahrzunehmen, und sich vor allem selber ändern.“ Jedenfalls brauchen Kunstschaffende besondere Begabungen, eine intrinsische Motivation, eine Motivation, die sich selbst trägt, Wahrnehmungs- und Assoziationsfreude und Persönlichkeitseigenschaften wie Widerstandsfähigkeit, Durchhaltevermögen, Kontinuität und auch unterstützende Umgebungsbedingungen, wie z.B. geeignete Arbeits- und Ausstellungsräume und auch verständiges und unterstützendes Publikum. Der Künstler muss bei jeder Arbeit die Angst des Schaffenden vor dem Nichts überwinden. Jede Arbeit ist ein neuer Anfang, wenngleich dies bei seriellen Arbeiten leichter von statten geht.
So möchte ich Sie, sehr geehrte Damen und Herren, auffordern und ermuntern, die Bilder nicht als Ganzes schnell zu sehen und dann als gesehen abzutun, sondern mal ins Detail zu gehen und bei sich selber nachzufragen: Wäre mir diese Gedankencollage auch gelungen, Wäre ich auch auf solch eine Bildlösung gekommen? Hätte ich auch solch ein Material verwendet? Um bei der innerlichen Beantwortung dieser Fragen mal der imaginären Kraft und Energie der einzelnen Bilder und Objekte nachzuspüren: z.B.  der Verbindung von Schaf und Digitalkamera für einen Facebookauftritt, der diffizilen und verwobenen Zusammensetzung der Spiegelungen in der Glasscheibe. Wie sähe ihr Feuervogel in der phantastischen Landschaft im Detail aus. Die  Dame des Abends und die Dame des Tages haben Sie sicherlich in Ihrer Vorstellung ganz anders erwartet. Den Fahrzeugen bzw. den Autoteilen eines italienischen APE so viele künstlerische Facetten abzugewinnen ist wie „Immer dasselbe…“ anders zu malen.

Ausnahmsweise macht es mal Spaß und es erzeugt kein Unbehagen, sich mit fremden Federn zu schmücken oder unheimliche Insekten auf der Grundlage des Liedtitels „Stimmt an mit hellem Klang“ zirpen zu sehen. Im Wald verschwinden ist gar nicht so einfach, wenn er abgeholzt ist. Da muss man sich schon neue Raumpfade eröffnen. Vielleicht kann man dabei die chinesische Nachtigall entdecken. Das Wort des Jahres als unmöglich funktionierendes Gebilde gedanklich bloß zu stellen, ist ein gelungener Wort-Bild Transfer,  „Jeder ist ein Engel mit nur einem Flügel“ ist ein lyrisch ausgedrücktes  Synonym für die zugestandenen Schwächen des Menschen. Der Flugunfähigkeit des Papierfliegers auf Grund der Materialwahl liegt ein künstlerisches Stilmittel zu Grunde. Das Gleiche gilt für die Idee,  Aubergine, Peperoni und Äpfel so in Form zu bringen, dass Sie sich die Zähne daran ausbeißen können. „Alles verrat ich nicht“. Das ist nicht nur ein Bildtitel, sondern auch das Geheimnis von Bildern und Objekten.

In der freien Kunst sind die Bedeutsamkeiten der Schöpfungen für die Mitmenschen oft schwer auszumachen, da der frei schaffende Künstler nicht im Auftrag handelt, sondern nur aus sich selbst heraus. Diese Werke müssen erst einmal einen Empfänger finden, der die Arbeit für sich als bedeutsam einschätzt, vielleicht so bedeutsam, dass er dafür Geld ausgibt, was ja bekanntlich nicht so oft vorkommt. Und trotzdem arbeiten die Maler, Grafiker und Bildhauer beständig aus der genannten  intrinsischen Motivation heraus, ohne Rücksicht auf Verluste, in diesem Fall sogar wörtlich zutreffend. Dafür aber schaffen sie Werdegänge von Kunst, für die es wert ist, Zeit aufzubringen, ihnen nachzugehen und sie zu ergründen und zu verfolgen. Denn den Künstlern gelingt es Veränderungen der Seele und des Gedächtnisses sichtbar werden zu lassen und nachvollziehbar zu machen. Deshalb interessieren sich viele Mitmenschen für bestimmte Künstler, sammeln deren Werke und bleiben ihnen auf der Spur. Deshalb gibt es Museen und Ausstellungshäuser und auch diese Halbjahresausstellungen, wie sie die Gemeinschaft Bildender Künstler seit über 60 Jahren anbietet. Ausstellungsmacher und Kuratoren haben oft ein großes Angebot, aus dem sie auswählen müssen, wobei ein Kurator im Vorfeld  ziemlich subjektiv und themenbezogen auswählen kann. Bei eingereichten Arbeiten für eine Ausstellung sieht das Procedere schon ganz anders aus. Zugegeben, es ist nicht leicht für eine Jury, die die Arbeiten für eine Ausstellung zusammenstellt, die einzelnen Kreativitätsprozesse richtig und wahrhaftig einzuschätzen. Es wird immer ein Versuch bleiben, das bestmögliche Ergebnis sowohl für die Wirkung einer Ausstellung als auch für eine breite Anzahl von Künstlern zu erreichen. Eine subjektive Sichtweise jeder einzelnen Person ist in der Bewertung nicht auszuschließen, da jedes Individuum nach eigenen Kriterien bewertet, wenn es keine Normwerte zur Verfügung hat. Da die Wertung eines einzelnen Individuums immer subjektiv ausfällt, ist es gut, dass eine Gruppe von Menschen mit ihren verschiedenen Maßstäben zur Einschätzung von Kunstwerken und von Auswahlkriterien für die Annahme diese Aufgabe übernimmt. Diese Gruppe legt nach demokratischen Spielregeln die Gütekriterien fest. Der Einzelne kann mit diesen konform gehen oder auch nonkonform sein.

So hoffe ich, dass die Verantwortlichen, die diese Ausstellung organisiert und zusammengestellt haben, eine gute Wahl getroffen haben und Sie mit der Zusammenstellung in eine neugierige Stimmung versetzen. Ich bedanke mich bei allen Kolleginnen und Kollegen, die diese Werkschau mit organisiert und gestaltet haben.

Ich bedanke mich aber auch  ganz herzlich bei den Verantwortlichen der Stadt Straubing, die Ausstellung hier im Zentrum der Stadt zeigen zu dürfen. Ein besonderer Dank gilt der Familie Dengler für die Drucklegung des Katalogs und den Inserenten für die Übernahme von Anzeigen darin. Den Medien sage ich Dank für die Berichterstattungen und nicht zuletzt, aber am Schluss sage ich Dankeschön bei Ihnen, sehr geehrte Gäste, für Ihr Kommen, für die Auseinandersetzung mit den Arbeiten und für die Aufmerksamkeit.